Das, was die Liebe ausmacht
Lösen Sie sich von den Gedanken und Erwartungen, die
Sex mit Orgasmen gleichsetzen. Der Liebesakt ist
dafür da, gemeinsam intensivste Wonnen zu erleben,
sicht wohl zu fühlen, sich Berührungen und
Zärtlichkeiten hinzugeben, Körperkontakt und Nähe zu
spüren, Lust und Intimität zu erleben, Grenzen
aufzulösen, sich begehrt und lebendiger zu fühlen,
seine eigene Begierde zu zeigen und auszuleben. Was
Männern und Frauen nach dem Liebesspiel im
Gedächtnis bleibt, ist nicht der Orgasmus, sondern
das, was zwischen den beiden währenddessen
entstanden ist - das, was die Liebe ausmacht.
Das Spiel der Liebe
Es ist ungemein entspannend, sich ganz auf die
Facetten des Liebesspiels zu konzentrieren, statt
alles dem Erreichen des Orgasmus unterzuordnen.
Vereinbaren Sie mit Ihrem Partner/Ihrer Partnerin
doch einmal bewußt eine Orgasmuspause und
zelebrieren Sie ein "Spiel der Liebe": Probieren Sie
aus, was Ihnen Lust macht. Leben Sie Ihre sexuellen
Phantasien aus. Testen Sie, welche Stellungen Ihnen
gut gefallen. Lassen Sie sich Zeit, wechseln Sie vom
Bett auf die Couch, machen Sie immer wieder Pausen,
essen Sie genüßlich zwischendurch eine Schale Obst.
Schauen Sie sich in die Augen und lassen Sie ganz
bewußt Ihre Herzenergie fließen.
Dirigieren Sie
Ihren Partner so, dass er Sie bis kurz vor den
Höhepunkt bringt und lassen Sie die Erregung dann
wieder abklingen. Sie werden feststellen, dass Sie
die sexuelle Energie wesentlich intensiver
wahrnehmen und über lange Zeit auf einen hohen Level
behalten können. Die Erregung, die ansonsten
schnurstracks auf den Orgasmus zusteuert, kann sich
im gesamten Körper ausbreiten, ihn beleben oder sich
sogar in Herzenergie umwandeln. Und wenn dann doch
ein Orgasmus kommt? Dann freuen Sie sich darüber,
denn alles, was wiederum zu Leistungsdruck führt,
ist kontraproduktiv.
Interessante Erfahrung für
Männer
Gerade für Männer ist der bewußte Verzicht auf einen
Höhepunkt eine interessante Erfahrung, da sie in der
Regel bei jedem
Koitus ohne
Probleme einen Orgasmus erreichen können.
|
|
Sie
lernen ihre eigene Erregungsamplitude besser kennen
(wo ist mein "Point of no Return"), sie erfahren,
wie angenehm sich Pausen anfühlen, sie können sich
der Lust ihrer Partnerin intensiver widmen, sie
werden die mit der fehlenden Orgasmusfixierung
einhergehenden Entspannung schätzen lernen und -
last but not least - sie halten einen höheren
sexuellen Spannungszustand (hilfreich vor allem bei
Männern jenseits der 50). Außerdem ist
Selbstdisziplinierung ein zentrales männliches
Attribut.
Erlebnissex und Orgasmussex
Eine andere Möglichkeit, die Orgasmusfixierung zu
umgehen, hat die Autorin Anne West in Ihrem
hervoragenden Buch
"Absolut Sex"
beschrieben. Sie plädoyiert dafür, den
Geschlechtsakt gedanklich in drei Teile zu trennen:
Spielsex, Erlebnissex und Orgasmussex. Als Spielsex
ist das Vorspiel gemeint. Erlebnissex sind
Stellungen, die Spaß machen, aber nicht zwingend zum
Orgasmus führen. Orgasmussex dagegen führt ohne
Umschweife zum Ziel. Hier ist allerdings der
Orgasmus der Frau gemeint, weil diese nur zum
Höhepunkt kommt, wenn die
Klitoris
direkt stimuliert wird, was bei normalen
Geschlechtsverkehr wegen der denkbar ungünstigen
Anordnung der Geschlechtsorgane nicht der Fall ist.
Orgasmussex sind alle Sexpraktiken, die einen
klitoralen Höhepunkt verschaffen.
Mehr Initimität zulassen
Wir möchten Sie dazu einladen, mehr Intimität, mehr
Nähe, mehr Liebe in Ihrer gemeinsamen Sexualtität
zuzulassen. Die meisten Menschen haben beim
Koitus
die Augen geschlossen und sind mehr bei sich, als
beim Partner - der Geschlechtsverkehr ist meist
weniger intim, als z.B. ein Gespräch über sexuelle
Phantasien. Nutzen Sie die Orgasmuspause, um Ihren
Partner in seiner Lust zu sehen, zeigen Sie Ihre
eigene Erregung, seien Sie romantisch, seien Sie
wild, weiten Sie Grenzen aus. Der Sex ist immer dann
gut, wenn er Ihnen Freude und Kraft gibt - wenn er
sie ihnen nimmt, dann ist das ein Signal für Sie zu
schauen, was Sie verändern sollten.
Bildquelle:
Jens Bredehorn / pixelio.de |